Herbst-Tagundnachtgleiche:
Ein Moment der Balance
Die Herbst-Tagundnachtgleiche findet jedes Jahr zwischen dem 21. bis 23. September statt. An diesem besonderen Tag sind Tag und Nacht gleich lang – ein Moment vollkommenen Gleichgewichts, bevor die Dunkelheit langsam die Oberhand gewinnt. Es ist der astronomische Beginn des Herbstes und zugleich eine Einladung zur inneren Einkehr.
Die Herbst-Tagundnachtgleiche ist eines der Sonnenfeste im keltisch/germanischen Jahresrad – auch bekannt als Mabon (keltischer Sonnengott) oder Alban Elved (Licht des Wassers). Der Name „Mabon“ stammt vom keltischen Sonnengott der Jugend und Fruchtbarkeit – „großer Sohn“ der Muttergöttin Modron, dessen Mythos mit dem Rückzug des Lichts in die Unterwelt verknüpft ist.
Sie markiert den Übergang vom Sommer in den Herbst. Die Zeit des Schaffens und Tuns ist mit der Ernte abgeschlossen. Es folgt ein Moment der Balance und des Gleichgewichts bevor sich der Fokus wieder mehr nach Innen richtet. Die Natur mit ihren Pflanzenwesen sammelt ihre Kräfte und zieht sie zurück in die Wurzeln, Knospen und Zwiebeln, um sich auf das kommende Frühjahr vorzubereiten. Mit der Herbst-Tagundnachtgleiche feiern wir die Ernte und bedanken uns für die Fülle und Gaben der Natur bei Mutter Erde. Es ist ein Fest der Dankbarkeit und der Ernte für alles das, was wir in diesem Jahr erreicht haben.
Die Herbst-Tagundnachtgleiche bietet auch eine Gelegenheit uns auf unser inneres Gleichgewicht zu besinnen und zu schauen, was es braucht für ein Leben in Balance. Vielleicht hast du Lust, dir einen Moment der Ruhe und Muße zu gönnen, um für dich zu reflektieren und die erste Bilanz für dieses Jahr zu ziehen. Die Fragen am Ende des Artikels unterstützen dich dabei.
Astronomische Bedeutung
Gleichgewicht von Tag und Nacht
Während der Herbst-Tagundnachtgleiche steht die Sonne senkrecht über dem Äquator, wodurch Tag und Nacht nahezu gleich lang sind. Dieses Gleichgewicht markiert den Übergang vom Sommer in den Herbst und ist ein Zeichen für das abnehmende Tageslicht und die Zeit der Dunkelheit. In der Natur ziehen sich die Kräfte in den Pflanzen immer mehr zurück, um sich für das kommende Frühling in den Wurzeln oder den Knospen zu sammeln.
Sonnenstand und Jahreszeiten
Die Position der Sonne verändert sich im Laufe des Jahres. Zur Herbst-Tagundnachtgleichen überquert die Sonne den Himmelsäquator von Norden nach Süden – also genau anders herum, wie zur Frühlings-tagundnachtgleiche. Dies führt zum allmählichen Rückzug des Lichtes mit kürzeren Tagen und längeren Nächten, während sich die Erde weiter um die Sonne bewegt.
Traditionen & Altes Wissen
Erntedank
Meist war die Herbst-Tagundnachtgleiche der Höhepunkt der Erntezeit. Alles, was jetzt eingebracht wurde, sicherte das Überleben im Winter. Die Dankbarkeit brachte man in verschiedenen Erntedankfesten zum Ausdruck, wie z.B. Kirchweihen, Weinlesefeste oder Bauernmärkte. Die ganze Fülle des Herbstes und der Ernte präsentierte man mit bunten Dekorationen und Garbentischen mit Kürbissen, Obst, Getreide, Nüssen oder Gemüse aus dem Garten.
Es wurden Opfergaben für die Erdgöttin dargebracht – etwa die besten Früchte, Nüsse oder Getreide – um ihre Gunst für das kommende Jahr zu erbitten. Und man ließ bewusst einige Ähren oder Früchte auf dem Feld zurück – als Gabe für die Naturgeister und Tiere. Viele der alten Bräuche sind identisch mit den Bräuchen des Schnitterinnenfestes (Lughnasad) im August. Denn auch dort dankte man bereits den Gaben der Kornernte.
Vorbereiten auf den Winter
Die Häuser und Stuben wurden aufgeräumt und für die Zeit vorbereitet, wo man sich wieder in den Innenräumen aufhielt. Auf dem Feld, im Garten und im Haus erledigte man die letzten Arbeiten und bereitete den Garten auf die Winterruhe vor. Die Spinnstuben wurden ebenfalls vorbereitet, so dass die Frauen traditionell Ende September das Arbeiten an Spinnrad & Webstuhl wieder aufgenommen haben.
Michaelistag
Der Michaelistag (29. September) war traditionell der Beginn der Bierbrausaison – nach der Hopfenernte und mit kühlerem Wetter. Außerdem fand und findet in den Alpenregionen noch heute am Michalistag oft der Almabtrieb statt, wo die Kühe von den Sommerweiden hoch oben zurück ins Tal in die Ställe gebracht werden.
Altweibersommer - zwischen Licht & Legende
Wenn sich der Sommer zögerlich verabschiedet und der Herbst mit kühler Morgenluft und goldenen Sonnenstrahlen Einzug hält, spricht man vom Altweibersommer. Diese Übergangszeit, meist zwischen Mitte September und Anfang Oktober, ist nicht nur meteorologisch bemerkenswert – sie ist auch tief verwurzelt im mythologischen und volkstümlichen Gedächtnis.
Der Begriff „Altweibersommer“ stammt vermutlich von den feinen Spinnweben, die in dieser Zeit durch die Luft gleiten und in der Sonne silbrig glänzen. In alten Überlieferungen galten diese Fäden als Glücksbringer – man glaubte, es seien die Haare oder Schleier alter Schicksalsfrauen oder sogar die Fäden des Mantels der Gottesmutter Maria, die bei ihrer Himmelfahrt zur Erde segelten. Wer von einem solchen Faden berührt wurde, durfte sich über göttlichen Segen freuen. Mancherorts brachte man die Spinnenweben auch mit den grauen Haaren der alternden Göttin „Frau Holle“ in Verbindung.
In der Volksmythologie steht der Altweibersommer für eine letzte Phase des Lichts, bevor die dunkle Jahreszeit beginnt. Er ist ein Sinnbild für Reife, Weisheit und das Loslassen. Die Natur zeigt sich noch einmal in voller Pracht, bevor sie sich zurückzieht. Diese Zeit wurde in vielen Kulturen genutzt, um Rückschau zu halten, Dank zu sagen und sich innerlich auf die kommenden Monate vorzubereiten.
Im Kontext von Mabon, dem Fest der Herbst-Tagundnachtgleiche, symbolisiert der Altweibersommer die Balance zwischen Licht und Dunkelheit. Die Spinnweben, die wie feine Schleier durch die Luft tanzen, erinnern an die Verbindung zwischen den Welten – zwischen Leben und Tod, zwischen Sommer und Winter. In keltischen und germanischen Traditionen wurde diese Zeit auch mit den 3 Nornen der nordischen Mythologie Urd (Vergangenheit), Skuld (Gegenwart) & Verdandi (Zukunft), den Schicksalsgöttinnen, in Verbindung gebracht, die tief an den Wurzeln des Weltenbaums Yggdrasil an den Fäden unseres Schicksals weben.
Der Altweibersommer ist kein bloßes Wetterphänomen – er ist ein poetischer Zwischenraum, ein leiser Ruf der Natur, innezuhalten und zu lauschen und uns unserer eigenen inneren Kraft bewusst zu werden.
Impulse für Persönliches Wachstum & Selbstverwirklichung
Gleichgewicht und Harmonie
Die Tagundnachtgleiche symbolisiert Balance & Gleichgewicht – zwischen Licht und Dunkelheit, Aktivität und Ruhe, Außen und Innen. Das Gleichgewicht von Tag und Nacht zur Herbst-Tagundnachtgleiche erinnert uns daran, die Balance in unserem eigenen Leben zu finden. Es ist eine Zeit der Reflexion und des inneren Gleichgewichts. Du kannst die Zeit nutzen, um Bilanz zu ziehen und zu reflektieren, welcher deiner gesäten Samen in diesem Jahr zur Reife gekommen sind.
Loslassen & Rückzug
Der Herbst lädt uns ein, wie die Natur loszulassen. Was darf gehen? Welche Gedanken, Gewohnheiten oder Beziehungen haben ihren Zyklus erfüllt?
Dankbarkeit & Reflexion
Nutze die Zeit, um innezuhalten und auf das Jahr zurückzublicken. Was hast du geerntet – innerlich und äußerlich?
Innere Balance
Die Gleichheit von Tag und Nacht erinnert uns daran, unser eigenes Gleichgewicht zu finden. Meditation, Journaling oder stille Spaziergänge können helfen wieder in die eigene Mitte zu kommen.
Fragen & Impulse zur Herbst-Tagundnachtgleiche
Bin ich in meiner inneren Mitte? Was brauche ich, um in Balance sein zu können?
Was darf ich sein-lassen und nicht mehr mit meiner Energie nähren, um innerlich freier zu werden?
Geben & Nehmen – sind sie im Gleichgewicht in meinem Leben?
Welche Ressourcen habe ich, um mich für die dunkle Zeit zu stärken? (Sonne tanken, Bewegung, Spazieren gehen in der Natur, Zeit mit nährenden Menschen)
Wie kann ich mich bei Mutter Erde bedanken?
Für Fragen und Anregungen nutze gerne mein Kontaktformular oder schreibe mir direkt eine E-Mail an Melanie@gruengesund.de
Quellen
Fotos:
- Pixabay
- Roman Fuchs / Fuchs Naturfotografie
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